Morgens um 7.00 Uhr haben wir uns auf den Weg nach Hannover gemacht. Es waren 10 Grad und der Himmel bewölkt. Richtig gutes Laufwetter. Im Start-Ziel-Bereich wurde noch aufgebaut. Wir sind noch einmal durch das Messezelt gezogen. Und Schwupps ganz schnell war es auf einmal viertel vor neun. Noch schnell eines der wenigen (viel zu wenigen) Toilettenhäuschen besucht und dann im Laufschritt zum Start. Wir hatten uns vorgenommen, zusammen zu starten und dann sehen wie es läuft.
Emil ist ja erst letztes Wochenende in der Hamburger Hitze Marathon gelaufen. Einen Zeitplan hatten wir nicht. Es läuft, wie es läuft. Und schon beginnt der Countdown 10 – 9 – 8 ... 1. Der Startschuss fällt. Und als wir dann auch in Bewegung geraten, bremst Emil und begrüßt erst einmal Bekannte aus der Weight-Watchers-Gruppe. Umarmungen, gute Wünsche und endlich geht es los. Schnell hatten wir unser Tempo gefunden. Wir sind auf den 4 Stunden Pacemaker aufgelaufen. Ich war schon sehr erstaunt, aber Emil hat gleich gesagt ich muss mir nichts dabei denken. Wir werden nachher langsamer. Es ging am Maschsee entlang - vorbei an der ersten Sambaband – bis nach Döhren. Selbst hier im Grünen hat es Zuschauer gegeben, die uns angefeuert haben. Und wieder rauf, die laaange Hildesheimer Straße entlang. Der 4 Stunden Pacemaker war immer noch vor uns. Die Streckenverpflegung war top. Auch die Strecke ist top. Landschaft und Stadt – hier wird beides geboten. Ich habe heute Gegenden besucht, die ich vorher noch nicht gesehen habe. Und: Der Unterschied 1. Marathon – 2. Marathon war echt enorm. In Hannover war ich viel entspannter und konnte die Umgebung und alles Drumherum richtig genießen. In Frankfurt war das ganz anders. Unglaublich war auch, dass der 4 Stunden Pacemaker immer noch vor uns und manchmal auch hinter uns war. Jetzt hat Emil angekündigt, wenn es mir bei Km 21 auch noch gut geht, dann werden wir es wagen und das Tempo durchziehen. Bei Km 18 hatte Emil dann wieder ein Rendezvous. Kolleginnen haben dort Stellung bezogen und ihn mit „Nahrung“ versorgt.
Uns ging es gut und die Halbmarathonmarke kam näher. Es geht jetzt in Stadteile, die ich vorher noch nicht besucht habe. Besonders hat es mir in den Kleingärten in Vahrenwald gefallen. Neben dem Streckenabschnitt in Döhren und im Georgengarten hat es mir hier besonders gut gefallen. Grüne Natur. Vorher kam jedoch Km 19-20 und der Ausspruch von Emil: Krampf in der rechten Wade. Oh nein! Nicht jetzt schon. Mir ging es richtig gut und Emils Kampf mit den Krämpfen hat angefangen. Aber trotzdem liefen wir immer noch mit dem 4 Stunden Pacemaker. Für mich absolut unglaublich. Bis dann Km 30 kam. Wir – der krampfgebeutelte Emil, der trotzdem nicht langsamer wurde – und ich – mir ging es richtig gut – waren immer noch an dem 4 Stunden Pacemaker dran und plötzlich war er weg. Ist ausgestiegen. Schade. Und schon begann der Auflösungsprozess der Gruppe Läufer, die ständig bei ihm liefen.
Krämpfe :(
Bei Km 35 ist es dann doch noch passiert. Emil hat das Tempo gedrosselt. Das Gesicht leicht gequält, hat er sich durchgebissen. Da hat er dann auch sein Zeitziel unter 4 Stunden abgeschrieben. Der Eiertanz auf krampfenden Waden seit Km 20 und der Hamburg Marathon letzte Woche forderte seinen Tribut. Aber bei Emil gibt es kein aufgeben. Die restlichen Kilometer wurden immer weniger 6 – 5 - 4 – 3. Dann ca. 1,5 Km vor dem Ziel ging er los. Der Schlussspurt. Emil hat den Turbo angeschmissen. Schließlich wollte er in 4:01 oder 4:02 Std. finishen. Für sein Ziel-60-Marathon Projekt. Und das Unglaubliche: Ich habe mitgemacht und konnte auch noch einen Schlag draufsetzen. Emil hat nur gesagt: Wenn ich jetzt ein Krampf bekomme, dann lässt du mich einfach liegen und läufst weiter. Zum Glück ist es dazu nicht gekommen. Mit „wehenden Fahnen“ sind wir über die Ziellinie geflogen. Eine Punktlandung, was die Zeit betrifft. Dann fing das Chaos an.
Aus vollem Lauf raus zum sofortigen Stopp direkt hinter der Ziellinie. Der Riesen-Stau! Es gab kein vorankommen. Absolut tödlich. Hier sind einige aus den Latschen gekippt, weil durch diesen plötzlichen Stopp der Kreislauf versagte. Bis einen Meter hinter der Ziellinie eine perfekte Veranstaltung. Strecke, Streckenverpflegung, Streckenausschilderung und die Sambatrommeln am Rand - absolut TOP. Alles was nach dem Ziel kam ging gar nicht. Massen, die absolut dicht gedrängt Zentimeter für Zentimeter im Schleichtempo vorwärts geschoben wurden. Mit Glück hat man die richtige Medaille bekommen (für uns Marathonis die Goldene). Mit Glück hat man es ohne Panikattacke zur „Verpflegungsstraße“ geschafft. Immer noch dicht gedrängte Menschenmassen. Man konnte nicht erkennen, was an den Tischen rechts und links angeboten wurde. Schilder, die über die Masse herausragen und aussagen, was dort angeboten wird, wären nicht schlecht gewesen. Aber ein Rankommen an die Tische war auch extrem schwierig und nervig. Nur den Erdinger-Stand konnte man ganz deutlich ausmachen. Das ging gar nicht. Der angekündigte „entzerrte Zielbereich“ und die neue „Verpflegungsstraße“ waren die völlige Fehlplanung und werfen Schatten auf die Veranstaltung. Absolut verbesserungswürdig. Zu diesem Chaos aus Menschenmassen führen auch die Startzeiten. Die 4-Stunden-Marathonies, die 2-Stunden-Halbmarathonies und die 1-Stunden-10-Kilometerläufer kommen alle gleichzeitig ins Ziel. Man sollte einmal über geänderte Startzeiten nachdenken, um den Zieleinlauf zu entzerren.
Zieleinlauf
Zieleinlauf
Aber: Von dem Ende einmal abgesehen hat es mir sehr gut gefallen. Ich hatte meinen Spaß und bin überglücklich und stolz über die absolut gute Zeit. Einen großen Anteil dazu hat Emil beigetragen. Ich weiß nicht, ob ich ohne seine Begleitung und Unterstützung diese Zeit geschafft hätte.