Ich ging dieses Mal ganz locker an den Start. Ich bin vor drei Wochen in Salzkotten meine persönliche Bestzeit gelaufen. Ich bin gut drauf. Emil wollte hier seinen 10. Marathon laufen. Mit der Startnummer 10. Wir wollten die erste Runde zusammen laufen. Ganz locker. Es sollte eine – für Emil erste und für mich einzige – Runde in einer Zeit von ca. 2 Stunden werden. Emil war schon sehr nervös vor dem Start. Ihn plagten so einige „Krankheiten“. Er war sehr entschlossen, diesen 10. Marathon zu laufen, hatte aber auch ein paar Zweifel ob alles gut geht und hält. Kurz vor dem Start – wie schon so einige Male – haben wir dann auch Eckhard getroffen. Nach einem kurzen Plausch hat Eckhard sich dann weiter vorne eingereiht und wir uns in der Mitte des Starterfeldes aufgestellt. Um 17.00 Uhr fiel dann der Startschuss. Es war schon komisch. Dieses Mal keine Power von Anfang an, sondern lockeres Anlaufen. Es ist schon ein Unterschied, ob es einem gut geht und man sich schlecht fühlt und kämpfen muss. Dieses Mal konnte ich die Strecke so richtig wahrnehmen. An einiges habe ich mich sofort erinnert. Andere Streckenteile waren mir völlig neu. Ich konnte diesen Lauf so richtig genießen. Es hat Spaß gemacht. Die Strecke ist - bis auf das Teilstück bei Kilometer 9 bis 12 an der Straße entlang - sehr schön. Emil ging es während dieser ersten Runde sehr gut. Wir waren dann auch etwas schneller unterwegs als wir uns vorgenommen hatten. Emil hat das Tempo bestimmt. Ich bin mitgelaufen und habe gelegentlich Zwischenspurts eingelegt, um von meinem Marathon-Mann ein paar Fotos zu schießen. Die Stimmung im Läuferfeld war gut. Es wurden Sprüche geklopft und Scherze gemacht. Auch in den Dörfern wurde Stimmung gemacht. So flogen die Kilometer nur so dahin. Und plötzlich sagt Emil zu mir: Nur noch drei Kilometer. Ich war ganz erschrocken. In Löningen haben sich dann unsere Wege getrennt. Ich bin locker und gut gelaunt mit einer Zeit von 1:57:23 Std. ins Ziel gelaufen. Mir ging es richtig gut. Dann bin ich erst einmal duschen gegangen und habe mich wieder an die Strecke gestellt.
Kurz vor dem Ziel wollte ich Emil wieder treffen und ihm sein besonderes Shirt für den Zieleinlauf seines 10. Marathons geben. Er hatte sich eine Zeit von ca. 4 bis 4.30 Std. vorgenommen. Ab 9 Uhr habe ich dann mit ihm gerechnet und gewartet. Plötzlich tauchte HaWe auf und hat schon von weitem gewunken. Er war wie immer gut gelaunt und fröhlich. Er hat Emil unterwegs getroffen. Allerdings konnte ich kaum glauben was er erzählte: Emil ist nicht mehr mit ihm mitgelaufen, weil Emil Krämpfe hatte. Das war was ganz neues. HaWe hat sich dann winkend verabschiedet. Da wurde ich aber doch etwas unruhig. Die Zeit von 4.30 Std. ging vorbei und Emil war immer noch nicht da. Ich fing an mir Sorgen zu machen. Gar nicht schön. Und schließlich kam er dann um die Ecke. Gehend. Das habe ich bei ihm noch nicht erlebt. Aber er hat gelächelt - und von Krämpfen erzählt. Das wunderte mich schon, weil er im Gesicht sehr frisch ausgesehen hat. Überhaupt nicht fertig. Da hab ich sein Gesicht bei einem Marathon aber schon ganz anders gesehen. Er hat dann sein Shirt übergezogen und ist Richtung Ziel gegangen. Im Ziel hat er sich dann von den Zuschauern feiern lassen.